Crewe oder Goodwood: Welche Rolls-Royce betreut die Werkstatt?
Die jüngere Geschichte von Rolls-Royce gliedert sich in zwei Kapitel. Bis 2002 entstanden die Wagen in Crewe, Seite an Seite mit ihren Bentley-Verwandten; seit 2003 laufen sie im Werk Goodwood vom Band, unter dem Dach von BMW. Eine unabhängige Rolls-Royce-Werkstatt muss beide Welten kennen: Mechanik, Materialien und Diagnosewerkzeuge haben kaum etwas gemeinsam.
Die Werkstatt betreut, vom Oldtimer bis zum aktuellen Modell:
- Silver Cloud I, II und III (1955–1966), mit separatem Rahmen, zunächst mit Sechszylinder, ab dem Silver Cloud II mit V8;
- Silver Shadow und Silver Shadow II (1965–1980), der erste Rolls-Royce mit selbsttragender Karosserie, sowie den Silver Wraith II mit langem Radstand;
- Corniche, Coupé und Cabriolet auf Basis des Silver Shadow, und Camargue, gezeichnet von Pininfarina;
- Silver Spirit und Silver Spur ab 1980, danach Silver Seraph;
- die Ära Goodwood: Phantom (2003), Ghost, Wraith, Dawn, Cullinan und Spectre, der erste elektrische Rolls-Royce.
Vom V8 aus Crewe zum V12 aus Goodwood
Die klassischen Rolls-Royce teilen sich einen V8 aus Leichtmetall, der 1959 erschien und 1970 von 6,25 auf 6,75 Liter wuchs; die Marke bezeichnete seine Leistung bekanntlich nur als „ausreichend“. Seine Laufruhe hängt von sorgfältig eingestellter Zündung und Gemischaufbereitung ab, von einer intakten Kühlung und gesunden Motorlagern. Beim Silver Shadow und seinen Ablegern kommt das Hochdruck-Hydrauliksystem hinzu: Die Seite zum Rolls-Royce Silver Shadow erklärt seine Funktion und die typischen Schwachstellen.
Die Modelle aus Goodwood setzen auf V12-Motoren aus dem BMW-Konzern: als Saugmotor im ersten Phantom, mit zwei Turboladern in Ghost, Wraith, Dawn, Cullinan und im aktuellen Phantom. Luftfederung, zahlreiche Steuergeräte und eine dichte Elektronik verlangen eine Diagnose mit dem passenden Gerät, bevor irgendein Teil getauscht wird. Die Wartung eines Rolls-Royce, ob Oldtimer oder Neuwagen, folgt dem Programm des Herstellers.
Edelholz, Leder und Teppiche: zuerst der Innenraum
Bei einem Rolls-Royce zeigt sich Verschleiß zuerst im Innenraum. Gespiegelte Wurzelholzfurniere, in mehreren Schichten lackiert, bekommen durch Sonne und Feuchtigkeit Haarrisse oder werden milchig; das Leder bricht an Sitzflächen und Wangen; die dicken Wollteppiche und Lammfellvorleger drücken sich platt.
Die Sattlerei für Rolls-Royce arbeitet vollständig in der eigenen Werkstatt: Sitze, Türverkleidungen, Keder, Himmel und Teppiche, originalgetreu oder in einer Farbstellung Ihrer Wahl. Die Aufarbeitung der Holzteile wird im selben Projekt organisiert, damit Holz, Leder und Wolle wieder zueinander passen.
Separater Rahmen oder selbsttragende Karosserie: zwei Arten der Restaurierung
Ein Silver Cloud und ein Silver Shadow werden nicht auf dieselbe Weise restauriert. Beim ersten sitzt die Karosserie auf einem separaten Rahmen, der für sich bearbeitet werden kann; beim zweiten trägt die Karosserie das Fahrzeug, und Rost an Schwellern, Bodenblechen oder den Aufnahmen der Hilfsrahmen betrifft unmittelbar die Struktur.
Die Restaurierung eines klassischen Rolls-Royce beginnt deshalb mit einer Prüfung der Struktur, vor Lack, Chrom und Innenraum. Zweifarbige Lackierungen, bei diesen Wagen häufig, verlangen eine saubere Trennung und eine gleichmäßige Zierlinie. Sie erhalten einen detaillierten Kostenvoranschlag, Position für Position, und anschließend Fotos der wichtigen Arbeitsschritte.
Rolls-Royce und Bentley: gemeinsame Technik
Von 1931 bis 1998 gehörten Rolls-Royce und Bentley zum selben Haus: Der Bentley S ist der Zwilling des Silver Cloud, die T-Serie der des Silver Shadow, der Mulsanne der des Silver Spirit. Für beide gelten dieselben Handgriffe, und die Seite zu Bentley stellt die eigenen Modelle der Marke aus Crewe vor. Für eine erste Einschätzung kann ein Kostenvoranschlag anhand von Fotos und Videos aus der Ferne erstellt werden.