Wann ist eine Motorrevision nötig?
Eine Motorrevision entscheidet man nicht aus dem Bauch heraus. Die Anzeichen sind bekannt: niedrige oder ungleiche Kompression zwischen den Zylindern, steigender Ölverbrauch, blauer Rauch beim Start oder im Schiebebetrieb, Geräusche aus dem Steuertrieb, niedriger Öldruck bei warmem Motor, Undichtigkeiten, die trotz neuer Dichtungen wiederkehren. Ein Motor, der lange gestanden hat, birgt eigene Risiken: festsitzende Kolbenringe, ausgetrocknete Dichtungen, Korrosion in den Kanälen.
Vor jeder Entscheidung steht eine vollständige Motordiagnose: Kompressionsprüfung, Druckverlusttest der Zylinder, Auslesen des Fehlerspeichers bei elektronisch geregelten Motoren, Prüfung von Öl und Filter. Diese Messungen trennen eine gezielte Reparatur — eine Dichtung, ein Zylinderkopf, ein Steuertrieb — von einer kompletten Motorinstandsetzung.
Die Schritte einer kompletten Motorüberholung
Eine vollständige Überholung folgt einer festen Reihenfolge. Nichts wird montiert, bevor es gereinigt, geprüft und vermessen ist, und Fotos der wichtigen Arbeitsschritte erhalten Sie während der Arbeiten.
- Ausbau des Motors, bei Bedarf zusammen mit dem Getriebe, und Kennzeichnung jedes Bauteils.
- Vollständige Zerlegung, Reinigung, Sichtprüfung und Rissprüfung kritischer Teile.
- Vermessung: Bohrung, Ovalität und Konizität der Zylinder, Kolbenspiel, Stoßspiel der Kolbenringe, Haupt- und Pleuellagerzapfen der Kurbelwelle, Lagerspiel, Planheit der Dichtflächen.
- Zylinderköpfe: Ventile, Ventilführungen, Ventilsitze, Federn, Nockenwellen, Tassenstößel oder Kipphebel, bearbeitet oder ersetzt nach den gemessenen Werten.
- Triebwerk: Zylinder und Kolben, Kolbenringe, Pleuel, Kurbelwelle und Lager, ausgewuchtet, sobald Teile ersetzt werden.
- Steuertrieb: Ketten oder Zahnriemen, Spanner, Führungen und Räder, Steuerzeiten geprüft.
- Montage mit neuen Dichtungen und Anzugswerten nach Herstellervorgabe, danach Einstellung von Gemischaufbereitung und Zündung.
- Erster Start, Kontrolle von Drücken und Temperaturen, Einfahren und Probefahrten.
Boxer, V12, Reihensechszylinder: jede Bauart hat ihre Schwachstellen
Der luftgekühlte Sechszylinder-Boxer des Porsche 911 hat einzelne Zylinder und Zylinderköpfe, Trockensumpfschmierung mit separatem Öltank und kettengetriebene Nockenwellen. Bekannte Prüfpunkte sind die Zylinderkopfstehbolzen, vor allem bei manchen 2,7-Liter-Motoren mit Magnesiumgehäuse, die Kettenspanner — ab dem Carrera 3.2 über den Öldruck versorgt und bei älteren Modellen oft nachgerüstet — sowie die Dichtheit der Ölrücklaufrohre. Die Vorgehensweise für diese Motoren beschreibt die Seite Motorrevision Porsche.
Der Zwölfzylinder-Boxer des Testarossa und die Ferrari-V8 derselben Epoche nutzen Zahnriemen, deren Alter und Zustand über das Leben des Motors entscheiden; der Zahnriemenwechsel bei Ferrari gehört hier zu den grundlegenden Arbeiten.
Reihensechszylinder von Mercedes, Jaguar oder BMW beurteilt man vor allem nach Zylinderkopf und Steuerkette; beim Jaguar-XK-Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen wird das Ventilspiel über kalibrierte Plättchen eingestellt. Bei modernen Motoren kommen Elektronik und gut dokumentierte Schwachstellen hinzu, etwa das Zwischenwellenlager der Porsche-Motoren M96 und M97, das vor dem Öffnen des Motors geprüft wird.
Vergaser und Einspritzung: eine Gemischaufbereitung, die zum Motor passt
Ein überholter, aber schlecht abgestimmter Motor wird nie leisten, was er soll. Die Werkstatt betreut Vergaseranlagen — auch die beiden Dreifachvergaser der frühen 911 — und die mechanischen Bosch-Einspritzungen der Klassiker: die Doppelreihen-Einspritzpumpe des 911 E und S von 1969 bis 1973 und des Carrera RS 2.7, die Einspritzung der Mercedes-Sechszylinder und des 300 SL, die K-Jetronic des 911 SC und des 930 Turbo.
Beim Mercedes 220 SEb Cabriolet aus unseren Projekten wurden der 2,2-Liter-Reihensechszylinder und seine mechanische Bosch-Einspritzung gemeinsam überholt: Das eine wird mit dem anderen abgestimmt, und erst ihr Zusammenspiel ergibt einen ruhigen Leerlauf und eine saubere Gasannahme.
In der Werkstatt überholte Motoren
Der Zwölfzylinder-Boxer des Ferrari Testarossa wurde ausgebaut, vollständig zerlegt, seine Teile instand gesetzt, danach montiert, eingebaut und auf der Straße erprobt. Der Zweiliter-Sechszylinder des Porsche 911 S Targa 1967 wurde im Rahmen seiner Komplettrestaurierung überholt, ebenso der Motor des 930 Turbo Cabriolet 1989, dessen G50-Getriebe ebenfalls instand gesetzt wurde.
Die Werkstatt hat außerdem den Fünfzylinder-Turbomotor eines Audi RS2 neu aufgebaut, des Mitte der 1990er-Jahre mit Porsche entwickelten Kombis. Ist der Motor ausgebaut, ist es zugleich der richtige Moment, Getriebe und Kupplung zu prüfen.
Streng original oder behutsam verbessert: Sie entscheiden
Eine Überholung kann die strikte Originalität zum Ziel haben — Maße, Teile und Oberflächen der Epoche — oder eine dezente Verbesserung der Zuverlässigkeit: Kettenspanner der späteren Bauart, Dichtungen aus heutigen Werkstoffen, eine stabilere Zündung. Die Wahl liegt bei Ihnen und steht im Kostenvoranschlag. Die Teile sind original, gleichwertig oder aufbereitet, je nach Verfügbarkeit, und ihre Herkunft wird stets angegeben.
Keine zusätzliche Arbeit ohne Ihre Zustimmung, und ein einziges Team betreut das Fahrzeug von der Zerlegung bis zur Probefahrt. Diese Arbeiten gehören zum gesamten Bereich Mechanik und Reparatur der Werkstatt; für ein weiter entferntes Fahrzeug kann der Transport organisiert werden, in Frankreich wie in ganz Europa.








